Interview: Erman Akçay, 2016
Übersetzung: Selin Oransayoğlu

Würdest du bevor dem Interview, etwas über dich erzählen, für unsere Leser die dich nicht kennen?

Eigentlich rede ich ungerne über mich. Ich glaube, besser als ich mich erklären könnten, können es meine Bilder (darum hasst meine Mutter auch was ich tue). Seit meiner Kindheit habe ich ein großes Interesse an Natur und Mythos, Kreation und Destruktion, fressen und gefressen werden. „Warum hüpft der kleine Hase nicht mehr, wenn wir ihm das Fell über die Ohren gezogen haben?“ Lange waren die Zugfahrten durch die regenbogen-farbenen Berge und aus dem Fenster sah ich mich neben einem eingestürzten Neubauten masturbieren aus dem sich Metallgerippe stützten. Hier erlangte Schrott neuen Wert. So steckten wir uns Plastikblumen in die Haare und kackten unserem Nachbarn mit lautem Gelächter vor die Tür.

Du malst nervig, und surrealist Komposizionen; entfremdeten Körper mit bizarre organische Organe und diese Pathologie errinern an die Sexualität an das Publikum. Bist du damit einverstanden?

Ich benutze zufällig nackte Köper. Das hat aber nicht viel mit Sexualität in dem Sinne zu tun. Vielmehr stolpere ich zufällig über dieses ‚Mittel’ bei dem Versuch etwas anderes auszudrücken. Ich beschäftige mich viel mit inneren Konflikten. Hauptsächlich dabei ist der zwischen dem Einzelnen und dem moralischen, sozialen Druck von außen. Wobei unser inneres „Monster“ verkrüppelt und so selbst kreative und interessante Menschen und zu furzenden Fleischklopsen werden. Man muss sich schon anpassen. Und was nicht passt wird passend gemacht. Im Endeffekt möchte ich niemandem sagen wie er meine Bilder zu nehmen hat. Ich finde es spannender, neue Interpretationen zu hören und zu sehn was es in den Menschen auslöst.

In Frankreich, befindest du dich in ein Milieu, wo viele Künstler und Designer sind. Ist das reichhaltig für dich? Kannst du Deutschland in Bezug auf Grafikdesign vergleichen?

Es gibt viele kreative Menschen um mich herum, jedoch würden sich die meisten davon selbst nicht als Künstler bezeichnen. Viele beschäftigen sich mit Musik, Literatur oder visuellen Ausdruck, aber wichtiger ist ein offener, kreativer Austausch in alltäglich normalen Handlungen, die sich nicht um ein materielles Resultat drehen. Phantasie kann alles zum Spiel machen und Alltag in ein einzigartiges Abenteuer verwandeln. Es ist eine große Inspiration für mich mit kreativen Leuten in unbekannte Realitäten und Möglichkeiten einzutauchen und diese unter uns zu verbinden.

Mit welcher Technik arbeitest du am liebsten? Du bevorzugst klassische Technik wie Collage, Muster, Farbe, obwohl der Siebdruck zur Zeit Populaer ist.

Ich probiere mich in verschiedenen Techniken aus. Von Collagen, Gravur, Malerei, Bodypainting, Kostüme aus verschiedenen Materialien (meisten aus Dingen, die ich im Müll fand) und seit kurzen auch Tätowierungen. All das ist Forschung oder Spiel. Mir geht es darum meine Ideen und den Ausdruck im gesamten zu entwickeln und nicht vordergründig ums einzelne Resultat. Man entwickelt zu jedem Material eine andere Beziehung und Geschichte. Collagen z.B. sind in ihrer Entstehung destruktiv und erinnern an Voodoo. Dabei sind mir die Figuren, die ich ausgeschnitten habe machtlos gegen all die Schandtaten, die ich ihnen antun werde, ausgeliefert. So hat jede Technik ihre Eigenarten, die sich auch unter sich vermischen und mich voran treiben.

Magst du Literatur? Was liest du am liebsten?

Ob in Literatur, Musik, im visuellen Ausdruck wird es für mich interessant, wenn jemand versucht in unsere inneren Abgründe einzutauchen, die vor der Gesellschaft und oft auch vor uns selbst versteckt sind. Oder die versuchen unseren Verstand zu verwirren und uns alles in Frage stellen lassen, in dem sie andere Perspektiven und Realitäten eröffnen.

Die Zahl der männlichen Künstler ist bemerkenswert mehr als Frauen Künstler, was denkst du darüber? Warum sind Frauen mehr im Hintergrund bei Produktion trotz ihrer Interesse an Kunst? Was ist deine Meinung?

Das ist kein Thema für mich, da ich einerseits nicht in solche Situationen kam, aber auch andererseits nicht unbedingt in solchen (Gender-)Mustern agiere, denke oder lebe.

Welche Schwierigkeiten gibt es für die Künstlerinnen in patriarchalischer Welt?

Ich denke, was für viele Künstler egal welchen Geschlechts, eine Schwierigkeit darstellt und ich bin nett es eine Schwierigkeit zu nennen, ist die ZENSUR. Es ist die Heuchelei einer sogenannten liberalen Kultur, die ihre religiösen, sexuellen oder moralischen Barrieren hinter einer falschen, leeren Politik verstecken, und mit erhobenen empörten Zeigefinger große Wörter wie „Recht“ und „Legalität“ in den Mund nimmt. Gibt es Künstler die für dich wichtig und einflussreich sind?

Visuelle Einflüsse sammle ich an von den ersten Höhlenmalereien, übers Mittelalter bis heute. Dabei aber nicht nur spezielle Künstler sondern auch speziell Themen, verschiedene Epochen, suche deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten, gehe total verloren und finde mich wieder in einem Buch über den Aufbau von Kleinstlebewesen aus der Tiefsee von Ernst Haeckel. Ich stelle bizarre Verbindungen her zwischen „La planete sauvage“ von René Laloux und den Werken von Hieronymus Bosch. Vor allem bin ich Fan der Dadaistischen, Surrealistischen und Situationistischen Strömungen.

 

Hast du ein Projekt oder eine Serie auf dem du jetzt arbeitest? Kannst du ein Hinweis für deine Anhänger geben?

Die Art und Weise in der ich arbeite, macht die Frage etwas schwierig zu beantworten. Ich arbeite an nichts speziellen. Es ist wie immer: Ein Haufen Papierschnipsel, der zu Collagen verarbeitet werden will, halbfertige Linolschnitte und Leinwände wollen bearbeitet werden. Ich denke das einfachste, um auf dem Laufenden zu bleiben ist, von Zeit zu Zeit ein Blick auf meine Facebook-Seite oder Tumblr-Seite zu werfen.

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